Rundschreiben 2, vom 22. Juni 2004

Gute Nachricht aus Bern

Die Mehrheit des Nationalrates will keine Revision des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) und das ist gut so! Mit der Revision wäre nämlich unser mitteleuropäischer, heimischer Agrar- und In­dustriehanf (sativa non-indica) – kurz Bauernhanf genannt – dem indischen Hanf (cannabis indica) gleichgestellt und – ganz nach EU-Muster – unter Verbot gestellt worden. Das nämlich hatte sich das BLW zum Ziel gesetzt. Warum? Weil in der EU der Bauernhanf per Gesetz verschwunden ist, sollen laut BLW die Schweizer Bauern auch darauf verzichten (…). Damit nicht einverstanden waren vor zwei Jahren drei Viertel der Bauernnationalräte: Sie haben ein von NR Weyeneth verfass­tes Manifest mitunterschrieben, wonach unser Bauernhanf frei bleiben muss und nicht dem BetmG unterstellt werden darf. Diesem ehrbaren Wunsch ist heute entsprochen worden: Die gute, harmlose heimische Hanfpflanze bleibt bewilligungsfrei anbau- und verwertbar und bekommt wie jede andere Ackerpflanze den eidgenössischen Flächenbeitrag (Code 533).

 

 

Vertragshanf – Männlein ausreissen

Regen und Sonnenschein haben dem Hanf gut getan. Die Pflanzen wachsen jeden Tag grösser und höher heran. Beim Vertragshanf fängt jetzt die Etappe des Männleinausreissens an: Ist ein Männlein fort, gewinnen die benachbarten weiblichen Pflanzen zusätzlichen Raum, um sich schön und breit auszufalten. Verbleiben die Männlein auf dem Feld, bestäuben sie die weiblichen Pflanzen, es wachsen – auf Kosten der Blüten – Samen hervor und im Herbst gibt es dann haufenweise Samen, aber (fast) keine Blüten (eben jenes Rohmaterial, das wir Ihnen abkaufen). Stark besamte Blüten sind zur Herstellung von Salben und dergleichen nicht einsetzbar (so wie die tragende Kuh für den Metzger uninteressant ist).

 

Woran erkennt man ein Männlein? Am geschlechtsreifen Männlein hängen Pollenbeutelchen (siehe Beilage), das Weibchen hat stattdessen Blüten. Das Männlein ist eher schlank, das Weiblein breitwüchsig; ersteres wächst auch schneller in die Höhe, um bei gegebener Zeit (Ende Juni bis Mitte August) den Pollen auf die niedriger gelegenen Weiblein fallen zu lassen
(Windpollinisation ).

 

Ein geübtes Auge kann, noch bevor die traubenartigen Pollenbeutelchen sichtbar sind, Männlein von Weiblein unterscheiden: Das Männlein trägt direkt am Stamm, beim Ansatz der Seitenäste, vereinzelte Pollenbeutelchen, das Weiblein hingegen vier, fünf Kleinblätter (daraus eine Blüte wird). Gibt es Zweifel, wartet man am besten ab, bis die Pollenbeutelchen klar erkennbar sind, dann aber nichts wie weg mit dem betroffenen Männlein!

Gibt es diesbezüglich Fragen, bitte schnell telefonieren, denn vorbeugen ist einfach, heilen nicht mehr möglich.

 

Da männliche Pflanzen immer und immer wieder auftauchen, ist ein gründlicher Gang ( jede einzelne Pflanze inspizieren) alle 2 – 3 Tage unerlässlich und dies bis Mitte August, das heisst bis der Grösstteil der Männlein ausgeschieden ist. Wer diese Grundregel missachtet, gefährdet seine Blütenernte sehr. Ein besamtes Feld zieht zudem die Vögel massenweise an und diese beschmutzen dann die Blüten. Der regelmässige Gang durch das Hanffeld lohnt sich also durchwegs.

 

Der vertraglich festgesetzte Einkaufspreis gilt in der Regel für samenloses Material. Beinhalten Ihre Hanfblüten trotz aller Sorgfalt dennoch Samen, so erhöht sich das Gewicht des Krautes um dasjenige der Samen. Also wird der Gewichtsanteil der Samen errechnet und vom Gesamtgewicht abgezogen (Beispiel: 10 kg Hanfkraut mit Samenanteil von 25 % ergeben 7,5 kg). Sind gewichts­mässig mehr als 50 % Samen vorhanden, ist die Ernte vertragsmässig gescheitert. Das bedeutet aber keineswegs einen Verlust, denn die Ernte kann verfüttert, siliert oder gedroschen werden, wobei der Same gegebenenfalls von uns zum Zweck der Saatgut-, Lebensmittel- oder Kosmetik­herstellung zu einem guten Preis abgekauft wird.

 

 

Köpfen

Wer ein nicht allzu grosses Feld hat, kann die Seitentriebe (nicht den Haupttrieb!) an deren Ende abkneifen, so hat man statt eine dann zwei Blüten. Die Pflanzen werden wuchtiger, dicker und so­mit erhöht sich der Blütenertrag. Das Köpfen kann bis Mitte Juli betrieben werden.

 

 

Telefonnummer

Im letzten Rundschreiben wurde die Telefonnummer der welschen Filiale in Murist mitgeteilt, leider mit einem Tippfehler (14 anstatt 16). Die richtige Nummer lautet: 026 665 16 02 .

 

 

Flurbegehung und Demonstrationsschnitt

In nur acht Wochen vom Samen zur 2 Meter hohen Futterpflanze – das ist heimischer Futterhanf! Wer kommen kann, sollte es nicht verpassen, der Besuch lohnt sich! Eine gute Gelegenheit, Weiblein und Männlein nebeneinander stehen zu sehen. Am nächsten Dienstag, 29. Juni 2004, 9.00 Uhr , bei F. Schwab, Kerzers ( 2 ha neben dem Papiliorama) werden 20 a Futterhanf (Breitsaat) und andere 10 a (Pflanzenabstand 25 cm ) zu Demonstrationszwecken geschnitten, in Rund- und Quaderballen verarbeitet (Kaufmöglichkeit), um gleich danach ohne Dünger neu angesät zu werden. Anfangs September steht dann – keine andere Futterpflanze kann soviel – eine zweite gute Futterernte zum Schnitt bereit.

 

Einen guten Sommer wünscht

 

SanaSativa ; AG